Was ich von Kindern lernen will

Weißt du, was ich an Kindern bewundere?

Ich bewundere, dass sie sie selbst sind.

Sie sind nicht von ihrem Denken beherrscht, wie wir Erwachsenen. Sie hindern sich nicht selbst daran, sich so zu zeigen, wie sie sind und genau deswegen erreichen sie Menschen.

Jene Menschen, die unfreundlich oder unsympathisch sind und uns nicht den Respekt entgegenbringen, den wir von ihnen erwarten.

Denn was tun wir Erwachsenen?

Wir verachten ein solches Verhalten.

Wir nehmen es persönlich.

Wir zahlen es diesen Menschen heim und sagen uns „wie du mir so ich dir“. Warum soll ich freundlich sein, wenn der andere mir diesen Respekt nicht entgegenbringt? Warum soll ich den ersten Schritt machen?

Wir urteilen über sie – erfinden eine Geschichte um die Person, die ihr Verhalten erklärt – und stellen sie auf das Abstellgleis: durchgefallen.

Vielleicht fangen wir sogar an, über sie zu lästern.

Wir lassen uns von einem einzigen Fehlverhalten unseres Gegenübers dazu verleiten, unsere Art an die seine anzupassen, die wir selbst doch eigentlich zutiefst ablehnen. Lassen uns auf das gleiche Niveau hinab.

Und was tun Kinder?

Kinder denken nicht so Ich-bezogen.

Sie merken natürlich auch, wenn jemand unfreundlich ist, aber nehmen das Verhalten nicht persönlich. Sie stellen nur fest, was ist – ohne Vorurteile, ohne Verachtung, ohne – ja das kindische Verhalten „wie du mir so ich dir.“

Sie sind frei von den begrenzten Gedanken, die uns Erwachsene beherrschen und gehen offen auf die Menschen zu.

Und deswegen können Kinder im Herzen von verbitterten, unfreundlichen, unhöflichen Menschen Liebe pflanzen. Sie können Veränderung bewirken, weil sie den ersten Schritt machen.

Weil sie ein reines Herz haben.

Weil sie nicht denken und urteilen, sondern fragen.

Deswegen bewundere ich Kindern.

Sie besitzen eine Fähigkeit, die ich verlernt habe – du vielleicht auch – und die ich gerne von ihnen wieder erlernen möchte.

Kinder motivieren mich, mich von meinem engstirnigen Denken zu distanzieren.

Frei zu werden von Vorurteilen und Verachtung und davon, unfreundliches Verhalten gleich persönlich zu nehmen.

Ich möchte ohne Scheu sein und jedem eine Chance geben.

Ich möchte mich zeigen, wie ich bin, ganz gleich, wie ein anderer mir entgegen tritt.

Du magst sagen, dass das nicht einfach ist. Aber das ist es. Im Grunde ist es das wirklich. Schau dir Kinder an. Ihr Ego ist noch nicht so groß, als dass es ihnen im Weg steht.

Versuche es einfach mal.

Und ich bin mir sicher, dass manche Menschen freundlich werden.

Jeder hat seine Geschichte. Seinen Kummer, seine Sorgen, seine Enttäuschungen und seine Schuldgefühle, die dafür sorgen, dass der Menschen so ist, wie er ist.

Brechen wir das Eis und geben wir diesen Menschen die Chance, wieder Liebe zu erfahren. Freundlichkeit. Helfen wir ihnen dabei, sich dem Leben zu öffnen, in dem wir sie dazu einladen.

Und nehmen wir unsere Kinder als Vorbild dazu.

Was möchtest du von Kindern lernen?

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.