Vorwürfe gelassener nehmen – so geht’s (Schuldzuweisungen Teil 2)

Gibt es Menschen in deinem Umfeld, die dir oft Vorwürfe machen? Neigst du dazu, Vorwürfe anzunehmen und durch sie ein Schuldgefühl zu entwickeln?

Vergangene Woche in Teil 1 der kleinen Serie zum Thema Schuldzuweisungen hast du erfahren, wie ein schlechtes Gewissen entsteht und wie du es auflösen kannst. Heute in Teil 2 möchte ich mit dir besprechen, was Vorwürfe sind und dir einen Weg aufzeigen, wie du mit Vorwürfen umgehen kannst, damit sie dich weniger belasten.

Wann Vorwürfe gemacht werden

Es gibt zwei Umstände, die dafür sorgen können, dass Vorwürfe ausgesprochen werden.

  1. Wenn die eigenen Erwartungen nicht erfüllt wurden.
    Die eigenen Ansprüche, Wünsche oder Bedürfnisse wurden von einem anderen nicht beachtet/erfüllt und man ist enttäuscht darüber. Ein Beispiel: Du kommst nach Hause und siehst, dass die Spülmaschine auszuräumen ist und dass gesaugt werden muss. Dein Partner ist zuhause. Du ärgerst dich darüber, dass er das nicht gemacht hat und dir Arbeit nun an dir hängen bleibt und machst ihm den Vorwurf: „Du hättest ruhig mal aufräumen können.“
  1. Wenn man befürchtet, dass die eigenen Erwartungen nicht erfüllt werden.
    Man ahnt ein Verhalten, das nicht dem entspricht, was man sich wünschen würde. Ein Beispiel: Eine Freundin lehnt öfters deine Einladungen ab, weil sie keine Zeit hat. Sie sagt jedes Mal „vielleicht klappt es beim nächsten Mal.“ Du erwiderst daraufhin: „Ach, du hast doch eh nie Zeit“.

Wenn man einen Vorwurf macht, möchte man jemandem (unbewusst) ein Schuldgefühl einreden. Man bezweckt damit, dass ein anderer sich schlecht fühlt, weil er einen enttäuscht hat und will ihn dadurch bestrafen oder man will durch das Schuldgefühl erreichen, dass er einen in Zukunft nicht (mehr) enttäuscht (dass der eigene Wunsch, der Anspruch, das Bedürfnis erfüllt wird).

Wenn du möchtest, kannst du das überprüfen:

Überlege dir eine Situation, in der du einen Vorwurf gemacht hast.

Forsche nach dem wahren Grund.

Erkennst du die Enttäuschung oder die Befürchtung, enttäuscht zu werden, die hinter dem Vorwurf stand?

Vorwurf gelassener nehmen

Was Vorwürfe bewirken können

Neben Wut, Aggression oder Streit können Vorwürfe weitere Auswirkungen haben, die vor allem in Inneren wirken und auf Dauer fatale Folgen haben können. Vor allem sensible Menschen oder Menschen mit schwachem Selbstwertgefühl sind von diesen Folgen betroffen:

Sie verbiegen sich, um anderen zu gefallen

Menschen mit schwachem Selbstwertgefühl ist es wichtig, dass andere sie mögen. Sie lassen sich deswegen oft leicht von Vorwürfen beeinflussen und sich ein schlechtes Gewissen einreden. Ein Vorwurf bewirkt bei ihnen oft, dass sie das, was ihnen vorgeworfen wird, tun bzw. ändern. Sie erfüllen die Erwartungen der anderen, um ihnen zu gefallen, auch wenn das entgegen dem steht, was sie selbst möchten. Diese Menschen leben in einem ständigen Konflikt mit sich.

Sie tragen das Gefühl der Schuld in sich

Nicht jeder verändert sich durch einen Vorwurf, aber in vielen bleibt doch das Gefühl der Schuld zurück – das Gefühl nicht gut genug zu sein oder anders sein zu müssen, was sehr belastend sein kann. Auch diese Menschen stehen ständig im Konflikt in sich.

Wie auch immer du mit Vorwürfen umgehst, wenn du dazu neigst, sie dir sehr zu Herzen zu nehmen, dann kannst du beim nächsten Vorwurf folgende Strategie ausprobieren:

So kannst du Vorwürfe gelassener nehmen

1. Verstehe den Vorwurf

Hinterfrage als Erstes die Beweggründe des Vorwurfs.

  • Wisse um die Enttäuschung, die dahinter steht

Wenn dich jemand mit einem Vorwurf verletzen möchte, denke an die Enttäuschung, die dahinter steht. Wenn sich jemand ein Treffen wünscht und du immer wieder absagst und irgendwann Vorwürfe diesbezüglich bekommst, dann zeigt es dir, dass der Person wichtig ist, sich mit dir zu treffen, dir aber nicht oder nicht in dem Ausmaß. Hier widersprechen sich eure Wünsche und Bedürfnisse.

  • Wisse um die Angst vor Enttäuschung, die dahinter steht

Wenn dir jemand einen Vorwurf macht, der sich auf die Zukunft bezieht, wie beispielsweise: „du hast ja eh nie Zeit“ oder „das ist dir doch eh nicht wichtig“, denke daran, dass die Person, die ihn ausspricht, die Befürchtung hat, dass du ihre Erwartungen/Wünsche/Bedürfnisse nicht erfüllst, sie sich das aber erhofft.

Dein Verständnis für einen Vorwurf trägt dazu bei, dass du ihn nicht so persönlich nimmst.

2. Reflektiere den Vorwurf und leite Handlungen ab

Stelle dir nun folgende Fragen:

  • Ist der Vorwurf berechtigt?
  • Falls ja, möchtest du das, was dir vorgeworfen wird, überhaupt ändern?

Wenn du ändern möchtest, was dir vorgeworfen wird, dann zeige Verständnis für den Vorwurf und die Bereitschaft, dass du dich in Zukunft bemühst, dich anders zu verhalten. Vermeide große Versprechungen, da sie wieder zu Vorwürfen führen könnten. Worte sind leer, wenn keine Taten folgen. Lass dein Verhalten sprechen, wenn es soweit ist.

Wenn du nicht ändern möchtest, was dir vorgeworfen wird, zeige ebenfalls Verständnis für den Vorwurf, aber mach deutlich, dass der Anspruch, der an dich gestellt wird, nicht dein Anspruch an dich selbst ist und du dein Verhalten nicht ändern willst. Das kann zwar zu Widerstand führen, aber es mag an der Zeit sein, dass die andere Person lernt, dass sich Menschen nicht nur nach ihren Vorstellungen richten und es mag an der Zeit sein, dass du nach dir schaust und deine Bedürfnisse achtest und erfüllst.

Vergiss nicht, dass keiner das Recht hat, von dir zu verlangen, dass du seine Erwartungen erfüllst. Lass dich da auch bitte nicht von dominanten Personen einschüchtern. Du kannst Ansprüche, Wünsche oder Bedürfnisse erfüllen – wenn du möchtest, aber du musst nicht. Die Entscheidung liegt ganz alleine bei dir.

Achte auf dich. Sorge gut für dich und handle in Übereinstimmung mit dem, was du wirklich willst.

Wie gehst du mit Vorwürfen um? Lässt du dich leicht beeinflussen oder kannst du gut mit ihnen umgehen?

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