Mein Vorbild ist ein Schwerverbrecher

Warum jeder ein Vorbild haben sollte

Hast du ein Vorbild? Einen Menschen, den irgendetwas auszeichnet, das du bewunderst und selbst gerne haben möchtest? Eine Fähigkeit, ein Wesenszug, eine Stärke? Mein Vorbild ist ein Schwerverbrecher. Klingt verrückt? Dann erkläre ich dir, wieso auch ein Schwerverbrecher ein Vorbild sein kann und warum auch du ein Vorbild haben solltest.

Wer mein Vorbild ist

Mein Vorbild stammt aus der Serie Prison Break (zu Deutsch: Gefängnisausbruch) und ist einer der zwei Hauptdarsteller. Sein Name in der Serie ist Michael Scofield. Gutaussehend, hochintelligent und ein Kotrollfreak. Nichts geht ohne einen Plan. Das zeichnet auch die Eigenschaft aus, die ich an ihm bewundere. Denn er behält nicht nur die Lage unter Kontrolle, sondern auch sich selbst. Er nimmt alles an, was geschieht, ohne sich aufzulehnen, aufzuregen oder sich von Gefühlen übermannen zu lassen und überlegt schlichtweg, was er tun kann, um diese Situation zu ändern oder das Problem zu lösen.

Du kannst dir vielleicht vorstellen, dass bei einem Gefängnisausbruch und dem Leben auf der Flucht so einiges schief laufen und einen mehr als nur zur Verzweiflung bringen kann. Die Ruhe zu bewahren – gerade in den gefährlichsten Situatonen, in Situationen, die überhaupt nicht nach Plan laufen und die einem das Leben kosten können – das macht seine Gelassenheit umso bewundernswerter für mich.

Was ich von ihm lernen möchte ist also dies: Annehmen was ist.
Was auch immer im Leben geschieht – ob es mir gefällt oder nicht: Es ist die Wirklichkeit. Ich möchte sie annehmen und wenn sie mir nicht gefällt, möchte ich mich nicht gegen sie auflehnen und unnötig Kraft vergeuden, sondern durchatmen und mir überlegen, wie ich mit dieser Situation bestmöglichst umgehen kann.

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Warum du ein Vorbild haben solltest

Anhand eines Vorbildes kannst du dich selbst schulen und deine persönlichen Eigenschaften, die dir nicht so gut an dir gefallen, ausbauen und verbessern.

Du kannst durch dein Vorbild der Mensch werden, der du sein willst.

Du denkst, ich könnte genauso gut auf einen Zettel schreiben: annehmen was ist und mich daran halten, anstatt ein Vorbild zu haben, der diese Eigenschaft aufweist? Stimmt. Nur hat ein Vorbild den Vorteil, dass es bereits das verkörpert, was du gerne wärst. Der Mensch ist die Bestätigung, dass die Umsetzung und die Erlernung dieser Eigenschaft möglich ist. In einen Spruch kannst du dich nicht hineinfühlen. In einen Menschen schon. So zu sein wie er ist deine Motivation und dein Antrieb.

Nehmen wir zur Verdeutlichung mein Beispiel: Mein Vorbild ist Michael Scofield und seine Eigenschaft, die ich lernen möchte ist: anzunehmen, was ist. Nehmen wir noch eine vergangene Situation aus meinem Leben, in der ich Michael als Vorbild gut hätte gebrauchen können.

Rückblick:
Ich bin im Januar nach Bali gereist. Nach 9 Stunden Flug und völlig übermüdet kam ich eine Stunde verspätet in Kuala Lumpur an, von wo aus in zwei Stunden mein Anschlussflug nach Bali gehen sollte. Auschecken, Eincheken, mit dem Transferzug zu dem Flughafenabschnitt fahren, von dem aus mein Flieger nach Bali ging, dauerten insgesamt 1,5 Stunden.

Ich kam eine halbe Stunde vor Abflug am Schalter an, froh, es noch geschafft zu haben und in drei Stunden am Ziel anzukommen. Am Schalter sagte man mir, ich sei sehr spät. Ohne ein weiteres Wort an mich wurde telefoniert, während ich schon völlig geschockt von der Reaktion der Schalterdame war. Und tatsächlich: man teilte mir mit, ich dürfe nicht mehr aufs Flugzeug (obwohl es noch am Gate stand!) Ich war fassungslos. Ich heulte und war fix und fertig. Ich fragte mich durch, ob nicht doch was zu machen sei, aber anscheinend war nichts zu machen. Dann suchte ich verzweifelt und immer noch den Tränen nahe nach Unterkünften, die aber so teuer waren, dass ich den Betrag für eine Nacht nicht zahlen wollte – zudem ich den Flug nach Bali nochmal komplett neu zahlen musste. So habe ich mich zwangsweise dazu entschieden, mit Koffer und Handgepäck auf dem Flughafengelände zu schlafen, um am nächsten Morgen mit der neu gebuchten Maschine nach Bali zu fliegen.

Ich habe versucht meine Tränen zurückzuhalten, weil ich wusste, das bringt eh nichts, aber ich habe es nicht geschafft. Ich war so am Ende und verzweifelt und einsam und übermüdet und durfte mir dann eine unbequeme Bank zum Schlafen suchen, was mich nervlich noch mehr fertig machte, denn es stand mir eine weitere schlaflose Nacht bevor. Die Nacht hat gefühlte zwei Tage gedauert, weil ich aus Angst um mein (Hand)Gepäck nicht einschlief, geschweige denn, dass ich in einer Halle, inmitten fremder Menschen auf einer mehr als unbequemen Bank schlafen konnte.

In dieser Situation hätte ich gerne an Michael gedacht und mich gefragt, was er getan hätte. Ich hätte versucht, mich gelassener und gefasster zu verhalten. Ich hätte versucht, einfach ein bisschen so zu sein wie er.

Dein Vorbild dient dir als „innerer Mentor“ und erinnert dich daran, wie du gerne sein würdest und führt dich dazu an, selbst so zu sein.

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Wie du dein persönliches Vorbild findest

Ob deine Nachbarin, deine Schwester oder eine Person des öffentlichen Lebens; ob eine Filmfigur, ein Heiliger, eine Legende oder ein Guru. Real oder surreal. Jeder kann dein Vorbild sein.

Mein Vorbild ist weder eine reale Person noch eine – wie ich behaupte – reale Eigenschaft. In dem Ausmaß wie Michael Scofield gelassen ist, ist Gelassenheit glaube ich kaum möglich. Außer vielleicht, man ist ein Zen-Meister 😉

Überlege dir, wer dich beeindruckt. Sei aufmerksam und verfolge sowohl im Fernsehen die Schauspieler, im echten Leben die Menschen, denen du begegnest, als auch dein nahes Umfeld. Dabei sollst du keinen Menschen suchen, nach dem du in seinem Ganzen strebst, sondern eine Eigenschaft an einem Menschen ausfindig machen, die du bewunderst und die du dir gerne aneignen würdest.

Was du von einem Vorbild lernen kannst:

  • Selbstständigkeit
  • Selbstbewusstsein
  • Gute Ausdrucksweise
  • Verantwortung zu übernehmen
  • Dinge zu vereinfachen / Nicht so umständlich zu denken
  • Minimalistisch zu leben
  • Deine wahre Natur zu leben
  • Humor
  • Gelassenheit
  • Mut, etwas zu wagen
  • Einen starken Glauben
  • Hoffnung nicht zu verlieren
  • Anmutig zu sein
  • Freundlich zu sein
  • Liebevoller zu sein

Wie du dir dein Vorbild vor Augen halten kannst

Jetzt hast du dir ein Vorbild ausgesucht, nun gilt es, dich in Alltag daran zu erinnern, dass du dieses Vorbild hast und daran denkst, ihn als innerer Mentor „bei dir zu tragen“.

Falls du vergisst, an diese Person und ihre Eigenschaft zu denken, kannst du dir zum Beispiel einen Zettel mit seinem Namen an deinen Badezimmerspiegel oder Kühlschrank kleben oder – unauffälliger – ein kleines Kärtchen mit dessen Namen in deinem Geldbeutel oder deiner Jackentasche tragen. Vielleicht fallen dir noch andere Ideen ein. Ziel ist es, dass du ab und zu daran erinnert wirst, dass du ein Vorbild hast, nach dem du strebst.

Es gibt natürlich auch Menschen, die Jesus als Vorbild haben und ich weiß, dass es Armbänder mit dem Kürzel w.w.j.d. gibt. Ausgeschrieben heißt das: what would Jesus do? zu Deutsch: Was würde Jesus tun? Das Armband dient auch der Erinnerung an ihr Vorbild und an die Frage, was das Vorbild in ihrem Fall tun würde.

Ein Vorbild hilft dir zu wachsen

Mein aktueller innerer Mentor lehrt mich, die Wirklichkeit anzunehmen und meine Kraft nicht unnötig damit zu verschwenden, mich Dingen zu widersetzen, die nun mal so sind, wie sie sind. So habe ich Kraft, um zu überlegen, wie ich weiter vorgehen möchte und kann mich darauf konzentrieren.

Suche auch du dir ein Vorbild, das dich innerlich führt und anleitet. Das dich dazu bringt, innerlich zu wachsen und dich persönlich zu stärken.

Vorbilder müssen nicht für immer sein. Sie können wechseln, sie können sich verändern. Aber einen inneren Mentor zu haben, der dich in dem, was du bist, besser macht, ist doch eine erstrebenswerte Sache – zudem du nicht viel mehr tun musst, als dich an ihn zu erinnern und die Motivation zu haben, nach ihm zu streben.

Was hältst du von Vorbildern? Wer ist dein Vorbild und warum?


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