Du bist nicht deine Gedanken – Ein Weg zu innerer Freiheit

Löse dich von der Identifikation mit deinen Gedanken

Im Buddhismus heißt es, du sollst dich nicht mit deinen Gedanken identifizieren, weil das der Ursprung vom Leiden ist und dich von deinem wahren Selbst wegführt. Durch die Identifikation mit deinen Gedanken glaubst du etwas zu sein, was du in Wahrheit gar nicht bist und machst dich abhängig von diesem Denken.

Nur wenn du dich nicht mehr mit deinen Gedanken identifizierst, verbindest du dich mit etwas, das größer ist, als unser begrenzter Verstand – du findest dein wahres Selbst und erfährst innere Freiheit.

Sein

Was es heißt, sich mit seinen Gedanken zu identifizieren
– die Theorie

Vorab: Wenn ich hier von Gedanken spreche, meine ich nicht nur die unausgesprochenen Worte, sondern auch die Bilder in deinem Kopf und die Emotionen, die du fühlst. Denn sie haben ihren Ursprung in einem Gedanken.

Wenn du deinen Gedanken glaubst und dich als das ausgibst, was sie dir einreden, dann identifizierst du dich mit ihnen. 

In diesem Zustand kannst du nicht mehr klar und unvoreingenommen sehen, weil dein ganzes Handeln von deinem Denken beeinflusst ist. Du kontrollierst nicht mehr deine Gedanken, sondern deine Gedanken kontrollieren dich. Du glaubst, was sie dir sagen.

Ob das die Wahrheit ist, erkennst du nicht mehr.

Du bist Sklave deiner Gedanken.

Was es heißt, sich mit seinen Gedanken zu identifizieren
– die Praxis

Kennst du Menschen, die regelmäßig sagen: „Ich kann das nicht!“, bevor sie Dinge überhaupt versucht haben?

  1. Ihr Gedanke:
    Ich kann das nicht!
  2. Ihre Reaktion darauf:
    Sie glauben ihrem Gedanke.
    Sie setzen sich mit ihm gleich und sind überzeugt, dass sie Dinge nicht können.
  3. Die Folge:
    Sie selbst sind zu dem Gedanken „ich kann das nicht“ geworden. Ihr Denken wird dadurch zwanghaft. Diese Menschen sagen bei allen neuen Dingen zuallererst: „Ich kann das nicht“. Sie haben sich so sehr zu diesem Gedanken gemacht, dass sie gar nicht mehr wissen, dass das nicht die Wahrheit ist. Sondern nur die Wahrheit, die ein Gedanke ihnen vorgegaukelt hat und mit dem sie sich identifiziert haben.

Hast du irgendwelche negativen und wiederkehrenden Gedankenmuster? Irgendwelche Gedanken, die du mit dir verbindest und dir nicht gut tun, weil sie dich belasten? (Zum Beispiel: „ich bin zu dick“, „deine Art macht mich verrückt“, „ich habe Schlafprobleme“.)

  • Je mehr du an einem Gedanken haftest, desto mehr konditionierst du dich auf ihn und machst dich zu diesem Gedanken.
    Ich bin zu dick definiert dich.
  • Je mehr du dich zu diesem Gedanken machst, desto weniger kannst du dir vorstellen, nicht dieser Gedanke zu sein.
    Du wirst große Probleme haben, dich nicht dick zu finden.

Sich mit seinen Gedanken zu identifizieren verursacht Leiden, innere Konflikte und Probleme.

Um dich von diesen Problemen befreien zu können, musst du lernen, dass du nicht deine Gedanken bist. Wenn du das nicht lernst, bleibst du Gefangener deines zwanghaften Denkens, wirst du immer glauben, du seist zu dick, du kommst mit einer bestimmten Art nicht klar oder du kannst nicht schlafen.

Wer du wirklich bist

Kennst du das tiefe Gefühl von Verbundenheit mit dem Leben? Dieses Gefühl kann aufkommen, wenn du in der Natur unterwegs bist und du das Gefühl hast, dass da etwas Größeres sein muss, das alles verbindet. Es entsteht, wenn Zeit und Raum stimmen und sich ein tiefer Frieden in dir ausbreitet.

Dieser wahre Kern liegt unter deinem Denken. Er ist deine innerste Natur.

Du bist nicht deine Gedanken. Du bist Bewusstsein. 

Es ist frei von jeglichen Geschichten, die durch dein Denken an dir haften. Wenn du dich nicht mehr mit deinen Gedanken identifizierst, verbindest du dich mit diesem Bewusstsein.

Stell dir vor du identifizierst dich nicht mehr mit dem Gedanken, dass du eine schicke 4-Zimmer-Wohnung brauchst und viel Geld haben musst, um glücklich zu sein. Wärst du nicht jetzt schon glücklich? Wärst du nicht jetzt schon frei?

Frieden

Gedanken sind wie Wolken und du bist das Meer,
in dem sich alles spiegelt (ein Vergleich)

Um dir zu verdeutlichen, dass du nicht deine Gedanken bist, habe ich einen Vergleich für dich: Stell dir vor, dein Bewusstsein ist tief, weit, klar und ruhig wie der Grund des Meeres (nur nicht so dunkel sondern strahlend hell 😉 ) und deine Gedanken sind wie Wolken, die vorüberziehen und sich an der Wasseroberfläche spiegeln. Sie verändern die Oberfläche, wühlen sie auf oder verändern ihre Farbe, aber in der Tiefe bleibt alles ruhig.

Macht es für das Meer Sinn, sich vorzustellen, es sei die Regenwolke, nur weil sie gerade vorüberzieht und sich an seiner Oberfläche widerspiegelt?

Gedanken kommen und gehen. Mal öfters, mal weniger oft. Mal mit guten Absichten, mal mit schlechten Absichten. Vergiss nie, dass sie wie Wolken mit dem Wind des Lebens aufkommen und weiterziehen und sich lediglich an der Oberfläche des Wassers – in deinem Geist – bemerkbar machen.

Du bist nicht deine Gedanken. So wie das Meer nicht die Regenwolke ist.

Wenn du gelernt hast, dich nicht mit deinen Gedanken zu identifizieren, verbindest du dich mit etwas Größerem in dir: dem ruhigen, klaren und weiten Bewusstsein. Du erkennst, dass Gedanken nur Gedanken sind, denen du nicht glauben musst. Du ruhst in dir.

So lernst du, dich nicht mehr mit deinen Gedanken zu identifizieren

  • Beobachte deine Gedanken

    Betrachte dich von außen. Sei Beobachter deiner eigenen Gedanken und Gefühle. Stelle fest: „da ist dieser Gedanke, der dies und jenes in mir auslöst.“ So merkst du schnell, dass du viele Gedanken hast, aber keiner der Gedanken bist. Statt zu sagen: „Ich kann das nicht“, sage lieber „Ich habe das Gefühl, das nicht zu können“. So löst sich die Identifikation mit dem Gedanken auf. Du stellst fest, aber machst dich nicht zu dem, was du denkst.

  • Glaube deinen Gedanken nicht

    Frage dich: ist der Gedanke hilfreich oder störend, löst er ein schlechtes oder gutes Gefühl in mir aus? Wenn er dir nicht gut tut, dann versuche, ihn loszulassen und ihm nicht deine Aufmerksamkeit zu schenken. Wie ein Radiosender, dem du nicht immer zuhörst, kannst du deinen Gedanken nicht zu hören. Lass sie reden und beachte sie nicht.

  • Lebe in der Gegenwart

    Wenn du deine Gedanken nicht loslassen kannst, akzeptiere sie. Denn gedanklicher Widerstand macht die Situation nicht besser. Im Gegenteil. Die Situation an sich mag gar nicht so schlimm sein, erst der Widerstand deines Denkens macht die Situation unangenehm. Wenn Lärm um dich herum ist und du dich innerlich aufregst und dich darauf fest fährst, dass der Lärm dich stört, dann wird die Situation immer schlimmer werden. Wenn du die Aufmerksamkeit auf die Gegenwart lenkst, wenn du annimmst, was ist, weil du dich dieser Situation sowieso nicht entziehen kannst, löst sich die Identifikation mit dem Gedanken, dass dich der Lärm stört, auf. Du wirst ruhig.

  • Suche die Stille in dir

    Eckhart Tolle lehrt, dich von der Natur zu deinem wahren Bewusstsein führen zu lassen. Betrachte einen Baum, eine Blume, eine Pflanze. Sie sind tief im Sein verwurzelt. Lerne von ihnen die Stille und die Verbindung zu deinem wahren Selbst zu finden.

    Eine weitere Möglichkeit, die Ruhe in dir zu finden ist die Meditation. In der Meditation lernst du unter anderem, dich von Gedanken zu lösen und dich mit deinem tiefen Bewusstsein zu verbinden und frei zu werden. Wie Meditation geht, beschreibt Norman von vernünftig leben sehr verständlich in 3 einfachen Schritten.

Je öfters du die Erfahrung machst, nicht deine Gedanken zu sein, desto mehr lernst du, dich mit deinem Bewusstsein zu identifizieren.

Du bist nicht deine Gedanken.

Du bist Bewusstsein und du hast Gedanken.

Bewusstsein

Finde die Freiheit in dir

Wenn du dich für deinen Verstand hältst, für das, was du glaubst und denkst, bist du unbewusst Sklave deiner Gedanken. Du lässt dich von ihnen beherrschen und benutzen. Du leidest, weil du dir einredest, etwas zu sein, was du in Wahrheit nicht bist.

Dein wahres Wesen ist Bewusstsein. Dein wahres Wesen ist unbegrenztes Sein. Wenn du deinen Gedanken nicht glaubst, dann ruhst du in deinem wahren Wesen.

Dann bist du frei.

Ich weiß, dass es schwer ist, sich nicht mit seinen Gedanken zu identifizieren, schließlich haben wir uns jahrelang darauf trainiert und uns selbst zu dem gemacht, was wir von uns glauben. Aber wir haben uns dadurch auch das Leben schwerer gemacht und uns mit Gedanken belastet, die uns nicht gut tun. Wenn du Gedanken als Gedanken erkennst, denen du nicht glauben musst, kannst du viel gelassener werden und spüren, was frei sein wirklich bedeutet.

Zum Abschluss möchte ich Eckhart Tolle zitieren:

„Freiheit beginnt, wenn du erkennst, dass du mit dem Verstand nicht identisch bist. Du erkennst, dass alles, was dem Leben wahren Wert verleiht – Schönheit, Liebe, Kreativität, Freude, innerer Friede -, seinen Ursprung jenseits des Verstandes hat. Du beginnst zu erwachen.“

Lässt du dich von deinen Gedanken beherrschen und benutzen?
Wie schaffst du es, dich von ihnen zu lösen?


Quellen und weiterführende Links:

4 Antworten auf Du bist nicht deine Gedanken – Ein Weg zu innerer Freiheit

  1. Sandro sagt:

    Hallo Bettina,

    Ein wunderschöner Artikel zum Thema Gedanken loslassen. Kann ich nur 100% so unterschreiben. Wenn wir aufhören aus unseren Gedanken heraus zu schauen und auf sie zu schauen, dann brauchen wir nicht mehr mit ihnen kämpfen oder herausfinden ob sie stimmen oder nicht. Wir können sie wahrnehmen und beobachten. Und während des Beobachtens kannst Du bemerken, dass es da etwas oder jemaden gibt, der all das bemerkt. Du nennst das Bewusstsein. Find ich schön.

    Ich lege meine Gedanken ganz gerne auf ein Blatt und lass sie davon schwimmen auf einen Bach. Das hilft mir Distanz zu schaffen. Oder ich schaue am liebsten aufs Meer. Das Gleichnis mit dem Meer finde ich auch sehr schön. Da steckt eine Menge Energie drin.

    Vielen Dank für die schönen Gedanken. Ich nehme mir die nächsten Tage Zeit den einen oder anderen Artikel von dir zu lesen. Ich freu mich drauf.

    Alles Gute
    Sandro

    • Bettina sagt:

      Hallo Sandro,

      vielen Dank für deine lieben Worte! Wie würdest du das, was ich als Bewusstsein bezeichne, benennen? Hast du dafür einen Namen? Auf die Gedanken zu schauen, anstatt aus ihnen heraus zu schauen, ist auch ein sehr guter bildlicher Vergleich, den man sich gut merken kann.

      Deine Vorstellung, die Gedanken auf einem Blatt davonschwimmen zu lassen, gefällt mir sehr gut. Daran werde ich das nächste Mal denken, wenn ich an einem Bach entlang spaziere 🙂 Wie schön, dass du das Meer direkt vor der Türe hast! Ich kann dich gut verstehen, dass du oft einen Blick darauf wirst und dich befreist.

      Vielen Dank, ich freu mich sehr, dass dir meine Artikel gefallen und dir die Zeit zum Lesen nimmst. Auch ich werde mir Zeit für deinen Blog und deine tiefgründigen, einfühlsamen und hilfreichen Beiträge nehmen.
      Alles Liebe
      Bettina

  2. Lia sagt:

    Liebe Bettina,

    dein Beitrag begegnet mir gerade jetzt und ich kann ihn so sehr gut gebrauchen. Ich suchte nach einer Lösung, da ich mich in letzter Zeit immer mal wieder in einem Gedankenkarussel verliere, und da entdecke ich disesn hier.
    Ich habe das was du schreibst irgendwie schon vermutet, doch das Wirrwarr der Gedanken hindert uns, wie du am Anfang schreibst, klar zu erkennen was wirklich echt ist. Dein Artikel gibt mir die Möglichkeit auszusteigen? und klarer wahrzunehmen, was da in meinem Kopf passiert.

    Ich danke dir von Herzen.

    Lia

    • Bettina sagt:

      Liebe Lia,

      ich freue mich sehr, dass dir der Beitrag die Antwort gegeben hat, die du gerade gebraucht hast. Ja genau, aussteigen aus deinen Gedanken, um wieder klar sehen zu können. Unsere Gedanken reden manchmal so sehr auf uns ein und wir gehen wiederum so sehr auf sie ein, dass sie uns völlig irritieren und wir die Wahrheit nicht mehr sehen.

      Ich wünsche dir ganz viel Erfolg beim Aussteigen und dabei, dich wieder zu finden.
      Ganz liebe Grüße
      Bettina

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