So besänftigst du deinen inneren Kritiker

Hörst du diese Stimme im Kopf, die dich ständig kritisiert und dir dein Leben schwer macht, weil sie dir sagt, wie schlecht, wie unfähig oder unattraktiv du bist? Wie du diese Stimme – diesen inneren Kritiker – besänftigen kannst, möchte ich dir zeigen.

Der Kritiker in dir

Feinde sollte man nicht zu nahe an sich ranlassen. Sie kennen unsere Schwächen und wollen uns durch diese Schwachstellen angreifen. In ihrer Gegenwart fühlen wir uns unsicher und haben Angst, Fehler zu machen, die sie ausnutzen und gegen uns verwenden könnten. Viele Menschen haben das Problem, dass sie ihren Feind nicht nah an sich ranlassen, sondern ihn gleich in sich tragen. Ein Feind, der ihnen ständig vorhält, was sie besser hätten machen können oder wie sie besser sein sollten: Ihren inneren Kritiker. Auch ich trage ihn in mir.

• „Du hättest besser sein können“
• „Du siehst nicht gut aus“
• „Deine Leistung ist schlecht“
• „Du hättest dich mehr anstrengen sollen“
• „Du solltest nicht so faul rum liegen“
• „Du solltest ein gescheites Hobby haben“
• „Du solltest produktiver sein“
• „Du solltest glücklicher sein“

Das sind nur einige von vielen Dingen, die mein innerer Kritiker schon zu mir gesagt hat.

Es gab eine Zeit, da habe ich mich von meinem inneren Kritiker sehr beeinflussen lassen. Ständige Vergleiche mit anderen standen auf der Tagesordnung und mein verzerrtes Selbstbild hat mich andauernd daran erinnert, dass ich nicht das Ideal war, das ich gerne sein wollte. Ich habe mich nicht akzeptiert. Das war die Chance für meinen inneren Kritiker. Er hat meine Schwachstellen ausgenutzt, ist auf ihnen herumgetreten und hat mich sehr unglücklich gemacht

In jedem von uns lebt ein innere Kritiker. Er ist nur bei jedem anders ausgeprägt. Und darin liegt der Unterschied, ob der Kritiker ein weiser Ratgeber oder ein Feind ist. Es ist ok, wenn er in Form von einem schlechten Gewissen an die Tür klopft und uns darauf hinweist, dass wir moralisch nicht richtig handeln oder wir unseren Lastern zu sehr nachgehen. Schlimm ist es, wenn er andauernd präsent ist und ständig ein schlechtes Urteil über uns fällt.

Wenn dein innerer Kritiker zu laut ist

Wenn der innere Kritiker die Oberhand über unser Tun gewinnt und wir uns nur noch selbst kritisieren, leben wir nicht im Einklang mit uns. Das kann sich durch folgende Anzeichen zeigen:

• Innere Unruhe
• Nicht allein sein können
• Ständige Vergleiche mit anderen
• Dich vom Leben abhalten
• Gesellschaft meiden
• Unzufriedenheit
• Schlafprobleme
• Unglücklich sein

Wenn der innere Kritiker zu machtvoll ist, betreiben manche nicht nur harte Selbstkritik sondern auch Selbstjustiz. Sie beginnen, anhand des „richterlichen Urteils“ über sich, sich selbst zu bestrafen.

Um ein selbstbestimmtes und zufriedeneres Leben zu führen, müssen wir lernen, den inneren Richter in einem gesunden Maß zuzulassen. Wir wollen ihn nicht zum Schweigen bringen. Wir wollen, dass er ein normales und faires Urteil über uns fällt und erreichen, dass er uns als mahnende Stimme, ab und an auf den richtigen Weg lenkt.

Woher dein innerer Kritiker kommt

Deinen inneren Richter hast du selbst erschaffen. Zugegeben, andere Menschen sind „Mitschuld“ an seiner Entstehung, aber du trägst die größte Verantwortung für ihn.

Zum einen spielt die Bewertung, die andere Menschen über dich haben (Fremdwahrnehmung), als auch die Bewertung, die du über dich selbst hast (Selbstwahrnehmung) eine große Rolle an der Entstehung deines inneren Richters.

In Form von Lob oder Bestrafung, Zuspruch oder Ablehnung bekommst du im Laufe deines Lebens Bewertungen über dich von anderen Personen. Alles was du im Leben an Feedback bekommen hast, hast du als wahr angenommen oder als falsch betrachtet. Wenn jemand sagt, dass du nicht gut genug bist und du diese Aussage für richtig hältst, nimmst du diesen Glaubensgrundsatz in deine Überzeugung auf. Hättest du ihn nicht geglaubt, würde er jetzt nicht in dir bestehen und du nicht von dir glauben, dass du nicht gut genug bist. Das beschreibt Don Miguel Ruiz auch sehr gut in seinem Buch „Vollendung in Liebe: Von der Kunst, mit sich und den anderen glücklich zu werden“. (Partnerlink)

Jede Aussage, die du glaubst, manifestiert sich in dir. So sammelst du viele Glaubensgrundsätze über dich an. Und diese Überzeugungen, die du als wahr betrachtest, dienen als Grundlage für den Richterspruch, den dein innerer Kritiker über dich fällt.

Du musst nicht alles glauben, was andere über dich sagen und auch nicht, was dein Kritiker über dich sagt. So hast du die Möglichkeit, deine Selbstwahrnehmung zu verbessern und das Urteil über dich zu verändern.

Dein innerer Kritiker

4 Möglichkeiten, dich von zu harter Selbstkritik zu befreien

Ich habe damals versucht, mich meinem Ideal anzupassen, um mich nicht mehr kritisieren zu können. Das hat eine Weile funktioniert, bis meine selbst definierten Schwachstellen wieder zum Vorschein kamen und ich dem Vergleich mit anderen nicht mehr standhielt. Ich habe quasi eine Symptombehandlung betrieben und nicht die Ursache behoben, denn ich habe mich immer noch nicht so angenommen, wie ich wirklich bin. Als ich merkte, dass mein Leben nur noch von dem inneren Kritiker bestimmt war und ich lange Zeit einen kräftezehrenden innerlichen Kampf mit ihm führte und ständig unglücklich war, habe ich eingesehen, dass ich mich akzeptieren muss, um Frieden zu finden – und mich dahin auf den Weg gemacht.

Du hast zugelassen, dass dein innerer Richter so machtvoll wurde. Und nur du kannst dafür sorgen, dass er ruhig wird und sanftmütiger.

  1. Denke nicht schlecht über dich
    Jeder schlechte Gedanke, den du über dich fällst, setzt sich in dir fest. Du glaubst ihn und gibst ihm somit „fruchtbaren Boden“ . Der negative Gedanke bekommt von dir die Erlaubnis, zu wachsen. Denke stattdessen nur gut über dich. Auch dieser Gedanke setzt sich in dir fest und beginnt zu wachsen.

  1. Rede nicht schlecht über dich
    Worte sind machtvoll. Auch deine eigenen über dich selbst. Höre auf, dich vor anderen schlecht zu machen. Sage nicht „aber ich kann das nicht“ oder „ich bin nicht gut genug“. So wie sich jeder Gedanke in dir festsetzt, setzt sich nämlich auch jedes gesprochene Wort über dich in dir fest – und in den Köpfen der anderen Menschen – und wächst. Rede daher nur gut über dich.

  1. Vergleiche dich nicht
    Der Garant dafür, dich unzufrieden zu machen und dir vor Augen zu halten, wie schlecht du bist, ist dein Vergleich mit anderen. Hör auf damit. Du bist nicht jemand anderes und du wirst nie jemand anderes sein. Daher ist jeder neidische Gedanke daran, wie toll jemand anderes ist und jeder Wunsch, auch so zu sein, völlig unnötig. Sei entweder so, wie du gerne wärst und wenn du das nicht sein kannst, lass diesen Gedanken los.

  1. Überprüfe deinen inneren Kritiker
    In wieweit hat der Kritiker recht? Was will er dir sagen? Ist dein übertriebenes Maß an Perfektionismus oder dein Vergleich mit anderen der Grund, dass er zu Wort kommt, oder hat er recht und du hättest anders handeln sollen? Lass das Urteil wirken und frage dich ehrlich, ob er recht hat. Wenn ja, lerne für das nächste Mal daraus. Wenn nein, dann kehre die Aussage um: rede gut über dich.

Selbstliebe ist der Schlüssel zum Frieden

Deine Selbstliebe ist der Gradmesser dafür, wie hart dein innerer Kritiker mit dir umgeht.

Um ihn zu besänftigen, musst du deine Selbstwahrnehmung ändern und damit die Liebe zu dir. Je mehr du dich annimmst und akzeptierst, desto weniger Grund hat dein Richter, ein schlechtes Urteil über dich zu fällen. Rede und denke daher immer gut über dich und gib ihm keine Gelegenheit, dich unnötig zu bestrafen.

Alles was in dir an negativen Gedanken gepflanzt wurde, kannst du lösen. Grabe den Boden um und mach ihn fruchtbar für positive und gute Gedanken über dich.

Wie ist deine Erfahrung mit dem inneren Kritiker? Was sagt er dir und wie gehst du mit ihm um?


Weiterführende Links:

2 Gedanken zu „So besänftigst du deinen inneren Kritiker

  1. Wieder richtig gut geschrieben :)
    Der Weg ist nicht einfach, aber wenn man deine Worte verinnerlicht und sich immer wieder ins Gedächtnis ruft, dann wirds erfolgreich.
    Ich glaube dass jeder diesen inneren Kritiker hat. Nur wenige erkennen ihn auch als das, was er ist: Ne Nervensäge, die einen schlecht machen will und uns an Dingen hindern mag, die wir locker schaffen könnten ;-)

    1. Danke :)
      Ja, da hast du absolut recht. Ein schwieriger Weg, der sich aber lohnt!
      Ich glaube auch, dass viele Menschen gar nicht begreifen, dass die Ursache für ihr schwaches Selbstwertgefühl in ihnen selbst liegt. In ihrem Umgang mit sich. Und dass viele von dieser Stimme so beeinflusst sind, dass sie gar nicht wissen, zu was sie fähig wären, wenn sie ihr keinen Glauben schenken würden.

      „Ne Nervensäge, die einen schlecht machen will und uns an Dingen hindern mag, die wir locker schaffen könnten 😉“
      Treffender geht’s nicht. Das ist n Satz für ne Postkarte :)

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