Wie du lernen kannst, deine Gefühle zuzulassen (Gefühle Teil 1)

Gefühle können uns sehr belasten: wenn wir sie nicht fühlen wollen und verdrängen oder wenn sie uns vereinnahmen und kontrollieren. In dieser kleinen Serie möchte ich auf diese beiden Aspekte eingehen und dir Wege zeigen, wie du einen wertvollen Umgang mit deinen Gefühlen lernen kannst.

  • Teil 1: Wie du lernen kannst, deine Gefühle zuzulassen
  • Teil 2: Wie du lernen kannst, deine Gefühle zu kontrollieren

Warum wir Gefühle verdrängen

  • Um das Unangenehme nicht zu fühlen
    In der Regel verdrängen wir Gefühle, die wir als unangenehm wahrnehmen. Da der Mensch an sich nicht leiden möchte, kann es sein, dass er diesen Gefühlen deshalb aus dem Weg geht, weil sie für ihn Leid bedeuten.
  • Erziehung
    Unsere Erziehung kann eine große Rolle dabei spielen, ob wir Gefühle zulassen oder nicht. Wenn unsere Eltern in unserer Gegenwart wenig Gefühle gezeigt haben, kann es sein, dass wir nicht lernen konnten, offen mit unseren Gefühlen umzugehen.
  • Selbstablehnung
    Wir können Gefühle auch verdrängen, weil wir uns selbst ablehnen. Weil wir anders sein wollen, als wir sind – zum Beispiel leistungsfähiger, schlanker oder erfolgreicher. Wir ignorieren unsere Gefühle, weil wir unseren Ansprüchen gerecht werden wollen, anstatt unseren Bedürfnissen, die hinter den Gefühlen stehen.

Gefühle sind Energie und Energie möchte fließen. Daher ist jede Form von Verdrängung eine Unterdrückung von Energie, was einen negativen Einfluss auf dein inneres Gleichgewicht hat.

Was passiert, wenn wir Gefühle verdrängen

Verdrängen oder anders gesagt unterdrücken wir Gefühle, ist es, wie wenn du einen Wasserball unter Wasser drückst: Er kommt wieder an die Oberfläche. Je länger du ihn unten halten möchtest, desto anstrengender wird es für dich werden, weil du konstant Kraft aufwenden musst, um ihn unter Wasser zu halten.

Und genau so ist es mit Gefühlen.

Gefühle sind Energie und Energie möchte fließen. Gefühle zu unterdrücken bedeutet, einen konstanten psychischen Kraftaufwand zu betreiben, um sie zu verbergen.

Da kommt die Trauer? Es braucht Kraft, um sie nicht zu fühlen.
Da kommt die Wut? Es braucht Kraft, um sie nicht zu fühlen.
Da kommt die Angst? Es braucht Kraft, um sie nicht zu fühlen.

Wenn du Gefühle unterdrückst, dann staut sich Energie in dir an. Es entsteht ein inneres Ungleichgewicht. Eine innere Unruhe. Selbst wenn man im Außen nichts davon merkt, geht in dir viel vor sich. Nicht immer bewusst. Es ist wie mit dem Wasserball, den du tief genug unter Wasser drückst. Die Oberfläche mag glatt und still erscheinen, aber dort, wo sich der Ball unter Wasser befindet, verdrängt er Wasser und irritiert die Umgebung. Und so ist es auch mit der Energie in deinem Inneren. Sie wirkt in deinem Inneren und bringt es aus dem Gleichgewicht.

Irgendwann wird irgendwo diese verdrängte Energie wieder zum Vorschein kommen:

  • Nicht immer an der gleichen Stelle.
  • Nicht immer auf die gleiche Art.
  • Nicht immer bei der gleichen Situation.

Aber sie wird kommen.

Stell dir vor, du bist wütend und unterdrückst das Gefühl. Du verlässt die Situation, die dich wütend gemacht hast, spürst aber immer noch eine gewisse Unruhe in dir. Nun fährst du im Auto nach Hause und stehst im Stau. Nichts bewegt sich. Du spürst die Unruhe in dir aufsteigen und fluchst über den Stau und die anderen Autofahrer. Jedoch sind es nicht sie, die deine Wut auslösen, sondern deine unterdrückte Wut, die nun wieder zum Vorschein kommt. In einer anderen Situation.

Verdrängte Gefühle können zu Verhaltensweisen oder (bei anhaltender Unterdrückung) zu Krankheiten führen, von denen man auf den ersten Blick nicht glauben würde, dass sie von diesen verdrängten Gefühlen kommen. Frustessen ist ein Beispiel für ein Verhalten von unterdrückten Gefühlen. Du bist unzufrieden und versuchst, diese Unzufriedenheit mit Essen auszugleichen. Dir dadurch das Wohlgefühl zu verschaffen, das du im Außen nicht erfahren hast.

Gefühle sind Energie

Wie du in 4 Schritten lernen kannst, deine Gefühle anzunehmen

SCHRITT 1 – Gefühle als Freunde ansehen

Die meisten Menschen bewerten ihre Gefühle. Sie unterteilen sie in „gut“ und „schlecht“. In „Feind“ und „Freund“. Wenn du zu diesen Menschen gehörst, wirst du dich ein Leben lang im Kampf befinden, weil du ein Leben lang fühlen wirst. Und zwar beide Gefühle: die „guten“ wie die „schlechten“.

Um diesem Kampf zu entkommen, musst du dich von der Bewertung von deinen Gefühlen verabschieden. Gefühle sind nicht gut oder schlecht. Es mag angenehme und unangenehme geben, aber keine guten und schlechten. Denn alle sind im Grunde gut. Alle sind für dich da und zwar aus einem bestimmten Grund: Sie möchten dir etwas mitteilen.

All deine Gefühle führen dich zu dir selbst. Sie erzählen dir etwas über dich – zeigen dir, was du tief im Inneren willst und brauchst. Sie helfen dir dabei, in Einklang mit dir zu kommen und im Einklang mit dir zu leben.

Betrachte all deine Gefühle als Freunde, die eine Botschaft an dich haben.

SCHRITT 2 – Gefühle annehmen

Wenn du deine Gefühle als Freunde ansiehst, die dir etwas Wichtiges sagen möchten, fällt es dir leichter, sie anzunehmen. Und nur, wenn du sie annimmst, ermöglichst du der Energie (die sie sind), zu fließen.

Lass deine Gefühle zu. Auch wenn sie unangenehm sind. Wisse darum, dass sie ihre Daseinsberechtigung haben und dass Gefühle fließen wollen.

Erlaube deinen Gefühlen, da zu sein.

SCHRITT 3 – Gefühle verstehen

Nun ist es wichtig, zu verstehen, warum du fühlst, was du fühlst. Was möchte dir dein Gefühl sagen?

  • Fühlst du dich wütend, weil du enttäuscht bist?
  • Fühlst du dich traurig, weil du nicht loslassen kannst?
  • Fühlst du dich niedergeschlagen, weil du dich wertlos fühlst?
  • Fühlst du dich gereizt, weil du überfordert bist?
  • Fühlst du dich unruhig, weil du ungeduldig bist?

Hinter jedem Gefühl liegt eine Botschaft, die dich zu dir selbst führt.

Lerne, diese Botschaft zu verstehen, anstatt dein Gefühl zu unterdrücken. Denn sonst beseitigst du nur ein Symptom, das wiederkommen wird. Wenn du Schmerzen mit Medikamenten unterdrückst, sind die Schmerzen nicht verschwunden, sondern nur unterdrückt. Sie kommen wieder, wenn das Schmerzmittel nachlässt, weil Schmerzen nur ein Symptom sind und keine Ursache. So ist es mit Gefühlen, die du unterdrückst. Das Gefühl ist ein Symptom und beinhaltet eine Botschaft, die du verstehen musst, um an die Ursache zu kommen.

Hinterfrage deine Gefühle nach ihrer wahren Ursache.

SCHRITT 4 – Handeln

Im letzten Schritt stehst du vor der Entscheidung, wie du mit deinem Gefühl umgehen möchtest. Wie willst du mit der Botschaft umgehen, die dein Gefühl an dich hat?

  • Möchtest du dir das geben, was du in diesem Moment brauchst?
    Suchst du Gesellschaft, wenn du dich einsam fühlst, sprichst du mit jemandem, wenn du traurig bist, legst du dich schlafen, wenn du müde bist? Was auch immer DU in diesem Moment WIRKLICH brauchst – möchtest du es dir geben?
  • Möchtest du dir dabei helfen, die Ursache dieses Gefühls aufzulösen?
    Suchst du die Ursache dieses Gefühls (den Ursprungsgedanke) und arbeitest daran, die Ursache aufzulösen, damit das Gefühl in Zukunft nicht mehr so intensiv aufkommt? Übst du dich im Loslassen, wenn es die Ursache dafür ist, dass du traurig bist? Übst du dich in Gelassenheit, wenn sie die Ursache für deine Unruhe ist? Erlaubst du dir Erholung, wenn Überforderung Ursache für deine Gereiztheit ist?

Wie wichtig ist dir dein innerer Frieden? Dein inneres Gleichgewicht? Die Antwort auf diese Frage hilft dir zu entscheiden, welchen Weg du gehen willst: Dein leichten oder den richtigen?

Leicht ist der Weg (zumindest kurzfristig), auf dem du deine Gefühle unterdrückst, um sie nicht zu fühlen. Schwer ist der Weg, auf dem du dich deinen unangenehmen Gefühlen stellst. Aber es ist auch der Weg, der dich am Ende befreien wird, weil du lernen wirst, mit ihnen umzugehen und dadurch deine Angst verlieren wirst, ihnen zu begegnen.

Lass die Energie fließen und leben im Einklang mit dir

Gefühle zu unterdrücken mag kurzfristig hilfreich sein, um dich vor Leid zu schützen. Du willst das Unangenehme nicht fühlen und gehst ihm aus dem Weg. Langfristig gesehen wirst du aber mehr leiden, weil deine unterdrückten Gefühle nicht unterdrückt bleiben. Gefühle sind Energie und Energie will fließen. Sie wird wieder zum Vorschein kommen. Irgendwann. Irgendwo. An einer anderen Stelle. Auf eine andere Art. In einer anderen Situation.

Nur wenn du dich deinen Gefühlen stellst, kannst du langfristig dein Leid reduzieren und inneren Frieden finden. Wenn du ihnen erlaubst da zu sein, machst du dich leicht, weil du nichts zurückhältst, was unverarbeitet in dir liegen bleibt.

Erinnere dich:

  1. Deine Gefühle sind Botschafter.
  2. Erlaube ihnen, da zu sein.
  3. Lerne, sie zu verstehen.
  4. Lerne, dir zu geben, was du brauchst und hilf dir dabei, die Ursache aufzulösen.

Wie gelingt es dir, deine Gefühle anzunehmen?

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6 Gedanken zu „Wie du lernen kannst, deine Gefühle zuzulassen (Gefühle Teil 1)

  1. Liebe Bettina!
    Ja das mag vielleicht so sein…. Doch ohne Dich wäre selbst der größte Funke umsonst gewesen…. Du hast den Weg mit deinen Beiträgen und deinem Buch erst dafür frei gemacht… und hast ebenso diesen Funken auf mich über springen lassen!!!! Ich bin dir von tiefstem Herzen dafür dankbar!!!!!

    Alles Liebe auch für dich:)

    Anja

    1. Liebe Anja,
      das mag auch sein :) Und ich habe es so gerne gemacht!! Deine Veränderung ist für mich das größte Geschenk!
      Ganz liebe Grüße
      Bettina

  2. Einfach toll von Dir beschrieben liebe Bettina!

    Unsere Gefühle können uns manchmal glattweg die Beine weghauen, wenn man sie nicht bewusst annimmt. Bis vor einiger Zeit war das auch noch bei mir der Fall. Inzwischen „nehme“ ich meine guten und vor allem schlechten Gefühle an und sage mir, ok, ihr wollt mir damit irgendetwas sagen, was da in mir vor sich geht. Bin ich traurig, enttäuscht, wütend, mürrisch mit mir selbst oder aber auch total happy, so werde ich still und frage nach, woher mein Gefühlszustand herkommen könnte… und dann spüre ich, wie meine Seele darauf antwortet und mir den Hinweis gibt, was Tatsache ist… soo oft erkenne ich dann, dass es zb.Gedanken sind, die ich glaube oder ein Umstand, der eingetreten ist, den ich irgendwie nicht akzeptieren möchte. Und das sind dann bei mir die Ursachen, weshalb ich jetzt gerade so bin, wie ich bin und was ich fühle… die Umstände oder Ereignisse versuche ich innerlich zu akzeptieren oder zu ändern. Oder eine Lösung zu finden wenn es gar nicht mehr geht. Meine Gedanken notiere ich mir und mach dann „The work“ nach Byron Katie.
    Das ist so meine Art und Weise… auch nehme ich mir immer gern DEIN Buch zur Hand, in dem ich viele Sichtweisen und Lösungen finde!!! ;)

    Dein Buch ist für mich wie ein „Nachschlagewerk“, welches super erklärend und lehhreich ist und die Lösung einem dadurch fast förmlich ins Auge sticht!!!

    Bitte mach weiter so! Deine Beiträge sind absolute Klasse und lehrreich!

    GANZ herzliche Grüße,
    Anja

    1. Liebe Anja,

      vielen herzlichen Dank! Du machst eine so wundervolle Entwicklung durch und verbindest dich immer mehr mit dir selbst. Das ist großartig! Und dass mein Buch dir dabei eine Unterstützung ist, freut mich nochmal mehr. Danke! Dazu möchte ich aber noch sagen, dass du den größten Teil in dieser Entwicklung getan hast. Ich kann dir Impulse geben – ob sich was in deinem Leben ändert, liegt ganz allein an dir! Ich kann dir dein Licht zeigen, leuchten musst du selbst! Und das tust du immer mehr! :)

      Fühl dich umarmt
      Alles Liebe
      Bettina

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