Warum du bestimmst, welche Erfahrungen du machst

Welche Erfahrungen du in deinem Leben machst, entscheidest du ganz alleine. Niemand außer dir ist dafür verantwortlich. Kannst du mir da zustimmen oder macht sich bei diesen Worten in dir ein innerer Widerstand bemerkbar? Wie kann ich so etwas behaupten? Ist es nicht offensichtlich, dass die einen mehr Glück haben als die anderen? Dass die einen mehr Chancen haben als die anderen? Dass die einen bevorzugter behandelt werden als andere? Wie kann ich davon sprechen, dass man sich die Erfahrungen selbst aussucht?

Lass es mich an einem Beispiel erklären:

Ein mittlerweile erwachsener Mann wuchs bei seinem alkoholabhängigen und gewalttätigen Vater auf. Sie lebten in einer Sozialwohnung. Der Vater war arbeitslos. Liebe hat dieser Junge zuhause nie erfahren.

Heute ist dieser Junge ein liebevoller und fürsorglicher Familienvater, ist Architekt und wohnt in einem kleinen Haus am Rande der Stadt.

Wenn jemand seine Geschichte hört, bewundern ihn die Menschen oft für das, was er geschafft hat. Daraufhin äußert er nur:

Was hätte ich mit meiner Familiengeschichte anderes werden können als das, was ich jetzt bin?

Gleicher Hintergrund, anderer Mann.

Dieser Mann wuchs ebenfalls bei seinem alkoholabhängigen und gewalttätigen Vater auf. Sie lebten in einer Sozialwohnung und der Vater war arbeitslos.

Heute ist dieser Mann ein alkoholabhängiger und gewalttätiger Familienvater. Er wohnt in einer Sozialwohnung und ist arbeitslos. Sein Sohn erfährt von ihm keine Liebe.

Dieser Mann ist der Überzeugung:

Was hätte ich mit meiner Familiengeschichte anderes werden können als das, was ich jetzt bin?

Erfahrungen machen

Nicht die Erfahrungen machen uns Menschen, sondern wir Menschen machen unsere Erfahrungen

Was zeigt uns diese Geschichte, die es auf viele Arten in der Welt gibt: Menschen, die aus ein und demselben Erlebnis völlig unterschiedlich hervorgehen?

Dass nicht die Erfahrungen uns zu den Menschen machen, die wir sind, sondern dass wir Menschen entscheiden, welche Erfahrung wir machen möchten.

Viktor Frankl ist ein anderes Beispiel, das zeigt, dass wir Menschen die Qualität unserer Erfahrungen selbst bestimmen. Er hat während des zweiten Weltkrieges im Konzentrationslager gesessen und nach seiner Befreiung ein Buch geschrieben: „ … trotzdem Ja zum Leben sagen“. Frankl hat im Konzentrationslager die Erfahrung gemacht, dass es trotz der unmenschlichen Bedingungen möglich ist, einen Sinn im Leben zu sehen.

Für andere unvorstellbar.

Wie gelingt es aber, die Qualität der Erfahrungen zu beeinflussen?

3 Dinge, die deine Erfahrung beeinflussen

Drei Dinge sind entscheidend dafür, welche Erfahrungen du machst.

1. Worauf richtest du deinen Fokus?

Was nimmst du wahr?

  • Ist das Glas für dich halb voll oder halb leer?
  • Siehst du die neue Chance oder die Niederlage?
  • Nimmst du wahr, was dir gelingt oder was dir nicht gelingt?
  • Erkennst du deine Stärken oder siehst du den Mangel an dir?

2. Welche Bewertung gibst du daraufhin?

Deine Bewertung ist ein wichtiger Bestandteil dafür, welche Qualität deine Erfahrungen haben wird. Was denkst du über das, was du wahrnimmst? Welchen Wert, welche Bedeutung misst du dem bei?

Wenn das Glas für dich halb leer ist, bist du dann deprimiert und fühlst dich ungerecht behandelt, weil es halb leer ist?

Wenn du die Niederlage wahrnimmst, fühlst du dich dann wertlos und schwach – nicht zum Erfolg fähig und berufen?

Wenn du Mangel an dir wahrnimmst, verstehst du ihn als Beweis, wertlos zu sein?

3. Was tust du daraufhin?

Im letzten Schritt stehst du vor der Entscheidung: Was tust du daraufhin? Du hast etwas wahrgenommen. Du hast es bewertet. Und nun? Was tust du? Wenn du erkennst, was dir nicht gelingt, du diesen Umstand dahingehend bewertest, dass du nicht zum Erfolg berufen bist und deinen Traum daraufhin aufgibst, dann entscheidest du dich für eine negative und für deine Entwicklung hinderliche Erfahrung. Wenn du erkennst, was dir nicht gelingt, du diesen Umstand dahingehend bewertest zu erkennen, auf welchem Weg der Erfolg nicht gelingt und daraufhin einen neuen Weg ausprobierst, dann entscheidest du dich für eine positive, für deine Entwicklung hilfreiche Erfahrung.

Welche Erfahrungen willst du machen?

Zu erkennen, dass wir unsere Erfahrungen selbst bestimmen, ermöglicht uns einen ganz neuen Blickwinkel auf die Dinge. Er ermöglicht uns, dass wir fähig werden, uns nicht mehr als Opfer des Schicksals zu sehen, sondern als Schöpfer unseres eigenen Lebens.

Du kannst nicht immer beeinflussen, was dir widerfährt, aber du kannst jederzeit selbst entscheiden, wie du mit dem, was dir widerfährt, umgehen möchtest. Und genau das bestimmt die Qualität deiner Erfahrung.

Entscheidend dafür ist die Frage: Wer willst du sein?
Welcher Mensch willst du sein und welche Erfahrungen willst du machen?

Förderlich für die eigene Zufriedenheit, Gesundheit und persönliche Erfüllung ist die Entscheidung, ein Mensch zu werden, der an seinen Erfahrungen wachsen möchte. Ein Mensch zu werden, der Verantwortung für sein Leben übernehmen möchte. Das gelingt dir, wenn du deinen Fokus auf die Lösung richtest, anstatt auf das Problem. Wenn du lernst, das Gute aus allem was dir wiederfährt zu ziehen. Die Chance und die Möglichkeit wahrnimmst, anstatt das, was dir verwehrt bleibt. Und dann entsprechend handelst. Die Erkenntnis aus dieser Bewertung sinnvoll nutzt.

  1. Worauf richtest du deinen Fokus?
  2. Welche Bewertung gibst du dem?
  3. Was tust du daraufhin?

Es ist deine Entscheidung, welche Erfahrung du machen möchtest.

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3 thoughts on “Warum du bestimmst, welche Erfahrungen du machst”

  1. Liebe Bettina,

    „Nicht die Erfahrungen machen uns Menschen, sondern wir Menschen machen unsere Erfahrungen“

    Ich stimme dieser Aussage absolut zu und weiß auch zugleich, dass es sehr viele Menschen da draußen gibt, die sagen würden:

    „Aber wenn ICH meine Erfahrungen mache, würde ich mir das aussuchen können und so vieles aus meiner Vergangenheit habe ich mir nicht ausgesucht. Es ist mir wiederfahren. Es ist mir passiert.“

    In deinem Artikel gelingt es dir wirklich schön den Fokus vom „Das Leben passiert mir und ich bin der Leid-tragende“ auf den Fokus des selbstbestimmten, reflektierten Menschen zu legen, der autonom und bewusst entscheidet und vor allem jederzeit entscheiden darf!

    Alles Liebe dir,
    Tatjana

    1. Liebe Tamara,

      herzlichen Dank für deinen Kommentar und deine lieben Worte. Ich stimme dir zu. Es gibt sicher viele Menschen, die dem nicht zustimmen können oder wollen. Vielleicht noch nicht.

      „Entscheiden darf“, das hast du schön formuliert und genau darum geht es. Wir haben so viel Macht bekommen, nur wissen es viele nicht. Unsere Entscheidungsfreiheit ist ein ganz großes Geschenk, das wir nutzen dürfen, ja sogar sollen.

      Alles Liebe für dich
      Bettina

  2. Ach Bettina,
    die Geschichte von den beiden Männern kenn ich auch. In so vielen Büchern wird sie zitiert. Sie hat nur einen Haken. Sie ist nicht wahr.

    Traumatisierte Kinder können zwar sehr wohl erfolgreich werden. Doch in Beziehungen geraten sie immer wieder an ihren Spiegel. Den Spiegel ihrer tief eingebrannten Glaubenssätze, ihrer tief liegenden Ängste, ihres verlorenen Vertrauens, ihres verlorenen Selbstwerts, … .

    Weißt Du, vor zwei Jahren noch hätte ich diesen Beitrag zu hundert Prozent unterschrieben. Ich wähnte mich für spirituell entwickelt, mein Ego schon weitgehend hinter mir lassend, und auf dem besten Wege. Doch dann führte mich der liebe Gott – das All Eine – das Leben – oder wie immer Du es nennen willst, zu meiner Zwillingsflamme. Einer Seelenliebe so tief, wie ich es mir niemals vorstellen hätte können.

    Doch dieses liebe Wesen wurde mir nicht zur Seite gestellt, um den Himmel auf Erden zu erleben. Nein, sie triggert in mir all meine „Leichen im Keller“, von deren Existenz ich keine Ahnung hatte. Nach und nach gräbt sie eine nach der anderen aus, um sie ans Licht zu führen. Und um sie in Liebe zu erlösen.

    Leider kommt ein Trauma selten allein. Als ich als knapp 5 jähriger Junge meinen Vater durch einen tödlichen Arbeitsunfall verlor, erfuhr meine Mutter kurz darauf, dass mein 1/2es Jahr alter Bruder schwerbehindert ist. Nun musste sie alleine uns ernähren, und hatte noch ein Kind, das sehr intensive Pflege brauchte. So blieb natürlich für mich nicht mehr viel Zeit übrig. Später sah sie mich dann auch noch irgendwie als Ersatz für meinen Vater an, und klammerte stark an mir. Ich war mir sicher, dass ich dies alles, durch meinen Optimismus und meine Frohnatur, gut verkraftet hab. Ich wurde ein fleißiger Handwerker, war überall gern gesehen, Liebesbeziehungen hatte ich zwar nur oberflächlich aber das störte mich nicht, machte mich mit 27 Jahren selbständig und baute mir meine eigene Dachdeckerei auf. Alles schien super zu laufen, bis die erste große Liebe zu mir kam. Es gab natürlich den totalen Crash. So begann ich mit der spirituellen Suche. Und fand auch meinen Frieden.

    Bis vor 23 Monaten der liebe Gott meinte, dass eine weitere Runde an spirituellem Reifen und seelischer Heilung dran ist. Und das passier in letzter Zeit vielen spirituellen Menschen. Und im Austausch mit ihnen ist es doch bemerkenswert wie wir alle (mehr oder weniger bereitwillig) nach und nach unseren Glauben an unsere ach so große Macht aufgeben. Wir haben die Macht, an uns zu arbeiten, jeden Tag neu, immer und immer wieder. Aber wir müssen auch sehr geduldig mit uns sein, da sich unsere Prägungen nicht von heut auf morgen über Bord werfen lassen. Viele berichten, dass sie schon 7 Jahre an sich arbeiten, und doch immer wieder einen Rückschritt machen. Ich bin mit Sicherheit kein Weichei, aber dieser Prozess fordert mir alles ab, und bewusst ausgesucht hätte ich mir das ganz Gewiss auch nicht. Letztendlich bin ich aber doch sehr dankbar dafür, da er einen anderen Menschen aus mir macht.

    Bettina, dies soll kein Tadel an Deiner Arbeit sein. Traumas sind halt sehr hartnäckig. Eigentlich bräuchte es echte professionelle Hilfe. Doch auch die Traumaforschung gibt zu, noch weitgehend im Dunkeln zu tappen.

    Ich wünsch Dir alles Liebe,

    Martin

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