Wie du Ärger positiv nutzen kannst (Ärger Teil 3)

Ärger wird schwer aus deinem Leben zu verbannen sein und das ist – so paradox das klingt – auch gut so. Wie du Ärger als positives Gefühl betrachten und nutzen kannst, möchte ich dir im heutigen Teil der Serie beibringen.

Rückblick
Teil 1: Warum du Ärger aussprechen musst, um inneren Frieden zu finden
Teil 2: So führst du Konfliktgespräche richtig

Die Vorstellung, Ärger als positiv treibende Kraft zu betrachten, die dich in deiner Entwicklung weiterbringt, wird wahrscheinlich Widerstand in dir auslösen. Schließlich versuchen wir in den meisten Fällen Ärger aus dem Weg zu gehen, weil wir damit Negatives verbinden: Streit oder eine erfolglose Auseinandersetzung, die nur an den Kräften zehrt und keine Lösung bringt.

Nachfolgend möchte ich dich vom Gegenteil überzeugen.

Positive Eigenschaften von Ärger

In Konflikten mit anderen Ärger positiv nutzen

  • Vertieft die Beziehung zueinander
    Durch das Offenlegen deiner Gefühle in einem Konfliktgespräch, wird dich dein Gegenüber besser verstehen lernen und kann eine tiefere Beziehung zu dir entwickeln. Durch die gemeinsame Suche nach einer Lösung wird euer Zusammenhalt gefestigt. Ich habe schon oft erlebt, dass eine Aussprache Beziehungen gut getan hat. Mehr noch, als wenn man Ärger still hinnehmen würde.
    Ein Konflikt zu einem besseren Miteinander

  • Erweitert den Horizont
    Durch die Meinungsverschiedenheiten mit deinen Konfliktpartnern, wirst du offen für andere Ansichten. Du fährst nicht mehr nur in deinen engen Bahnen, sondern fängst an, Situationen aus verschiedenen Blickwinkeln zu betrachten und einen umfassenderen Blick auf die Dinge zu haben.
    Ein Konflikt zur Weitsicht

  • Baut zwischenmenschlichen Fähigkeiten aus
    Durch die gegenseitige Anhörung und Rücksichtnahme lernst du, auf deinen Gegenüber einzugehen. Du lernst, Meinungen zu akzeptieren, die nicht den deinen entsprechen und Lösungen zu suchen, die deinen Wunsch mit einem anderen vereint.
    Ein Konflikt zu mehr Toleranz und Empathie

  • Fördert kreatives Denken
    Eine gemeinsame Lösung zu finden setzt voraus, dass man die Problem aus den verschiedenen Blickwinkel der Konfliktpartner betrachtet. Diese Sichtweisen in einer Lösung zu vereinen, fördert dein kreatives Denken. Du suchst neue Wege, um alle Interessen zu vereinbaren. Wenn es um ein Problem mit dir selbst geht, wirst du über Möglichkeiten nachdenken, die du vielleicht noch nie in Betracht gezogen hast. Einzig und allein, weil die dringende Lösung eines Problem im Vordergrund steht.
    Ein Konflikt zu neuem Denken

  • Belebt die Beziehung
    Ärger kann die Routine des Alltags durchbrechen und die Beziehungen beleben. Ich meine damit nicht, dass du dich streiten sollst, sondern, dass du Konflikten offen begegnen sollst. Denn nach vielen Jahren sind manche Beziehungen so eingefahren, dass Ärger nicht mehr angesprochen wird, weil sich einer keinen Erfolg mehr erhofft und daher lieber schweigt. Wenn du dir Ärger bewusst machst und ihn ansprichst, eröffnet es die Chance, sich wieder mehr miteinander zu beschäftigen und sich vielleicht sogar mit neuen Augen zu betrachten. Sprecht wieder mehr miteinander – vor allem über eure Gefühle.
    Ein Konflikt für mehr Aussprache

  • Fördert die Konfliktfähigkeit
    Konfliktfähigkeit ist die Fähigkeit, einen Streitpunkt offen anzunehmen und erfolgreich zu bewältigen. Je mehr du auf Konflikte triffst, desto mehr trainierst du dein Können, dich mit anderen Menschen auseinanderzusetzen, Kritik zu geben und anzunehmen, einfühlsam zu sein und gemeinsam eine Lösung zu finden.
    Ein Konflikt zur Verbesserung deiner Konfliktfähigkeit

Ärger verstehen lernen und nutzen

In Konflikten mit dir selbst Ärger positiv nutzen

  • Fördert die Selbstwahrnehmung
    Konflikte sind Selbsterfahrung. Du findest durch sie heraus, was dich ärgert und warum es dich ärgert. Du erfährst, wie du auf unerwartete Situationen reagierst und wie du mit ihnen umgehst und lernst dich immer besser einzuschätzen.
    Ein Konflikt, um dich besser kennen zu lernen

  • Eliminiert Schwäche
    Um Ärger zu lösen, musst du der Ursache deines Ärgers auf den Grund gehen. Oft wirst du bei der Suche danach, auf deine Schwächen treffen. Du lernst sie zu erkennen, anzunehmen und an ihnen zu arbeiten, um dich zukünftig nicht mehr über sie zu ärgern.
    Ein Konflikt um Schwächen abzubauen

  • Lässt dich deine Komfortzone erweitern
    Kommt dein Ärger von der Angst vor Veränderung und vor Neuem? Kann es sein, dass du dein sicheres Umfeld verlierst und dir das Angst macht? Erkenne deine Ängste und stelle dich ihnen. Überschreite deine Grenzen – regelmäßig und Stück für Stück. So wirst du gelassener werden und dich über Ungewohntes und Neues nicht mehr so schnell ärgern.
    Ein Konflikt zu mehr Gelassenheit

  • Du lernst deinem Gefühl zu vertrauen
    Die Erfahrung der Verletzung zeigt dir, dass du in Zukunft vielleicht nicht mehr so leichtgläubig sein solltest oder mehr auf dein Gefühl, als auf deinen Verstand hören solltest. Du lernst, dir mehr zu vertrauen, um dich vor Enttäuschungen zu schützen.
    Ein Konflikt für mehr Vertrauen in dich selbst

  • Führt zu überlegteren Entscheidungen
    Ärger lehrt dich Erfahrungen und bringt dich dazu, Entscheidungen intensiver zu überdenken, um eine zufriedenstellende Lösung zu finden. Ohne den Ärger und die daraus gewonnene Erfahrung, wäre deine Entscheidung vielleicht nicht so bedacht gewesen und die Entscheidung nicht so überzeugt ausgefallen.
    Ein Konflikt zu fundierteren Entscheidungen

  • Ist Motor für Veränderung
    Finde heraus, was dich ärgert. Vielleicht ist dein Ärger ein Zeichen dafür, dass du dein Leben ändern solltest und einen neuen Weg gehen solltest. Vielleicht will er dir sagen „Hey, jetzt reicht es. Hier geht’s für dich nicht weiter, du stagnierst im Frust. Verändere dein Leben“. Vielleicht ist er der Druck, den du brauchst, um Veränderungen endlich anzugehen.
    Ein Konflikt zu Veränderung

  • Macht dich reifer
    Konflikte sind Erfahrungen. Je mehr du ihnen begegnest, desto gewappneter bist du für zukünftige Unstimmigkeiten. Du lernst aus ihnen und wirst dich zukünftig sicherer fühlen, wenn ähnliche Konflikte auftaucht. Du weißt, wie du sie lösen kannst oder lässt sie gar nicht mehr entstehen.
    Ein Konflikt, um dich zu stärken

  • Fördert dein Selbstbewusstsein
    Ärger anzusprechen ist mutig und es gibt Menschen, die können das richtig gut. Sie besitzen ein so großes Selbstbewusstsein, dass sie mit allen Konsequenzen für sich einstehen und ihre Meinung vertreten. Das kann Bewunderung in dir hervorrufen und den Wunsch wecken, ein Stück weit so zu werden, wie sie. Folge ihrem Beispiel.
    Ein Konflikt, um selbstbewusster zu werden

Positive Grundhaltung einnehmen

Je positiver deine Grundhaltung gegenüber Ärger und Konflikten ist, desto mehr wirst du an ihnen wachsen.

Lerne, deinen Ärger als wertvolles Gefühl anzunehmen. Lerne, ihn dankbar als Wegweiser zu betrachten und nicht als nervige Begleiterscheinung des Lebens. So wirst du aus der leidenden Opferrolle deines Ärgers heraus steigen und eine schöpferische Kraft entwickeln, um deinen Ärger zu lösen.

  • Ärger als Quelle für Veränderung und Wachstum
  • Ärger als schöpferische Kraft, um immer mehr du selbst zu werden

Wie schaffst du es, Ärger als etwas Positives zu betrachten und wie gelingt es dir, ihn als treibende Kraft zu nutzen? Ich bin gespannt auf deine Erfahrungen.


Weiterführende Links

  • Mensch ärgere dich! Entdecken Sie das Universum des Zornkönigs und lernen Sie einen positiven produktiven Umgang mit Ärger, Zorn, Wut und Empörung durch den humorvollen Ratgeber „Der Zornkönig: Wie Sie Ihren Ärger Positiv Nutzen“ (Partnerlink).Teil 4: So ärgerst du dich weniger
  • Christoph Burger, der Autor von „Der Zornkönig“ im Interview.

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2 thoughts on “Wie du Ärger positiv nutzen kannst (Ärger Teil 3)”

  1. Hallo Bettina,

    sehr coole Artikelserie! :)

    Ich finde die Grundaussage dieses Artikels ziemlich gut. Ärger zeigt dir, wo es drückt und wo eine Aussprache oder Veränderung nötig ist.

    Viele Menschen sehnen sich nach einem Leben komplett ohne Ärger, aber ich finde das ist weder zielführend noch realistisch. Es gehört zum Menschsein dazu, dass wir negative Emotionen verspüren. Wir müssen uns anpassen können. Es wäre schließlich auch ziemlich gefährlich wenn du glücklich wärst wenn du deine Hand auf eine heiße Herdplatte drückst. ;)

    Beste Grüße und produktives Ärgern

    Stefan

    1. Hallo Stefan,

      vielen Dank für dein Lob, ich freu mich sehr darüber! :) Schön zu lesen, dass du meine Einstellung teilst.

      Ich glaube, dass wir dazu da sind, uns zu wandeln und uns immer mehr zu uns selbst zu entwickeln. Ohne das Negative können wir nichts lernen, nicht weiterkommen und auch nicht glücklich sein. Und wie du so schön sagst: für diese zielführende Veränderung brauchen wir den Ärger. Nicht umsonst heißt es: nur wer sich verändert, bleibt sich selbst treu ;)

      Viele Grüße und ebenfalls produktives Ärgern
      Alles Liebe
      Bettina

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